Welches Entwicklerboard für welchen Einsatzzweck?  

Welches Entwicklerboard für welchen Einsatzzweck?

Grenzenlose Möglichkeiten für kleines Geld – Mini-Computer punkten mit ihrer kompakten Bauweise sowie einem geringen Stromverbrauch und lassen sich als starke Smart-Home-Zentrale einsetzen, als Media Center, Server, UKW-Radiosender und vieles mehr. Doch nicht alle Modelle sind für jeden Einsatzzweck geeignet.

Der Raspberry Pi 3 B+ – der Brandneue

Kleiner als eine Kreditkarte – dafür riesig in der Leistung. Mit dem Quad-Core Broadcom 2837B0 64-bit ARMv8-Prozessor mit 1,4 GHz ist der neueste Raspberry Pi ein leistungsstarker Einplatinencomputer. Sein unschlagbares Argument in Sachen Konnektivität: die Gigabit-LAN-Verbindung. Aber auch WLAN über b/g/n/ac liefert eine schnelle Datenübertragung. Wer die online frei verfügbaren Betriebssysteme wie Raspbian oder OpenELEC nutzt, kann den Einplatinencomputer ganz einfach für Tabellenkalkulationen und Textverarbeitung einsetzen oder zum Surfen, Spielen sowie für die Wiedergabe von HD-Videos nutzen. Vier USB-Anschlüsse ermöglichen, dass Tastatur, Maus, Monitor oder weitere leistungsstarke USB-Geräte angeschlossen werden können. Besonders praktisch: Mit Hilfe eines neuen Shields wird der Raspberry Pi POE-fähig und man benötigt somit kein Netzteil bzw. Stromanschluss in der Nähe des Raspberry Pi, sondern lediglich ein LAN-Kabel, welches das Entwicklerboard mit Daten und auch Strom versorgt. Zudem verfügt der Raspberry Pi 3B+ über ein Kamera- und Displayinterface, HDMI, und Audio. Mit dem 1 GB LPDDR2 SDRAM-Arbeitsspeicher steht aufwändigen und anspruchsvollen Projekten nichts mehr im Weg.

Sowohl die Raspberry-Variante 3 B+ als auch die Vorgänger-Version 3 B und die abgespeckte Variante A eignen sich besonders für den Bildungsbereich zur Softwareprogrammierung, doch auch in der Industrie finden sie vermehrt Anwendungen. Schließt man den Mini-Computer an den heimischen Router an, kann man ihn ganz einfach über einen PC oder ein Notebook überwachen, steuern und programmieren. So ist es möglich, ein Garagentor via Smartphone zu steuern oder auch eine Wetterstation mit voller Web-Anbindung zu konstruieren.

Banana Pi M2 Berry – perfekt als Server

Baugleich mit dem Raspberry Pi 3 verfügt der Banana Pi M2 Berry über mehr Features wie beispielsweise SATA, Gigabit LAN oder Android. Darüber hinaus ist eine Quad-Core Cortex A7 CPU verbaut. Da der Banana Pi mit einer Festplatte erweitert werden kann, bietet er manchen Entwicklern genau den entscheidenden Mehrwert, denn beim Raspberry Pi müssen sich USB-Port und Netzwerkanschluss den Bus teilen, was besonders beim Einsatz einer externen Festplatte zu Leistungseinbußen führt. Aufgrund seiner besseren Handware-Ausstattung und angesichts der beschränkten grafischen Fähigkeiten eignet er sich perfekt für den Einsatz als Server ohne angeschlossenen Bildschirm.

Asus Tinker Board – 4K-Videos und 24-Bit-Audio

Nahezu genauso groß wie der Raspberry Pi, allerdings mit stärkerer Hardware: Der Vierkern-Rockchip-Prozessor RK 3288 erlaubt die Wiedergabe von Videos in 4K-Auflösung sowie die Ausgabe von 24-Bit-Audiosignalen über den HDMI-2-Anschluss. Das macht ihn vor allem für die Nutzung als Media-Center interessant. Mit 2 Gigabyte Arbeitsspeicher hat Tinker Board doppelt so viel RAM an Bord wie die Konkurrenz. Darüber hinaus sind ein Gigabit-Ethernet-Anschluss, WLAN und vier USB-2.0-Ports verbaut.

Beaglebone Black – die Multimedia-Zentrale

Etwas teurer als der Raspberry Pi, dafür ähnlich flexibel und deutlich leistungsfähiger: Die CPU, eine mit 1 GHz getaktete Texas Instruments Sitara AM3359 ARM Cortex A8, ist der des Raspberry Pi in Sachen Geschwindigkeit deutlich überlegen. Zwar schenken sich die beiden beim Arbeitsspeicher nichts, dennoch kann der Beaglebone einen 2 Gigabyte fest installierten Flash-Speicher für sich verbuchen, während der Pi mit einer SD-Card bestückt werden muss. Das integrierte HDMI-Cape des Beaglebone Black macht den Kleinstrechner zur idealen Multimedia-Zentrale. Zwar stellt das Konfigurieren des HDMI-Framer-Chips vor eine Herausforderung, jedoch lassen sich die Probleme mit dem adäquaten Hintergrundwissen schnell beheben.

Arduino Uno R3 – der kompatible Exot

Beim Arduino handelt es sich um eine Mikrocontroller-Plattform, die sowohl im Bereich Hardware als auch bei der Software dem Open-Source-Standard entspricht. Technisch gesehen handelt es sich um ein einfaches I/O-Board – eine Platine mit verschiedenen Ein- und Ausgängen. Der Einsatzzweck ist ein deutlich anderer als bei den zuvor genannten Konkurrenten: Die Hardware ist sehr einfach gehalten und wird in der Regel für die Steuerung von Anlagen unterschiedlichster Art verwendet. Während der Arduino auf einen Rechner mit Windows oder Linux angewiesen ist, um Programmiercodes zu erhalten, ist der Raspberry Pi ein eigener, kleiner Rechner, der per HDMI mit einem Monitor verbunden und per USB-Maus und -Tastatur gesteuert wird. Allerdings ist der Arduino wesentlich preisgünstiger und die Programmierung der gleichen Aufgabe mit der Software Arduino IDE einfacher. Er hat seine Daseinsberechtigung in einem didaktischen und elektrotechnischen Kontext. Oft werden die beiden Boards auch als Tandem verwendet: Während der Raspberry eine Berechnung ausführt, übernimmt der Arduino auf Mitteilung des Raspberrys die Steuerung eines Motors.

Teensy 3.2 – das kompakte Board

Dem leistungsstarken Arduino-kompatiblen Mikrocontroller-Entwicklungssystem Teensy 3.2 liegt ein 72-MHz-Cortex-M4-Mikrocontroller zugrunde. Interessant ist der M4 insbesondere wegen seiner Zusatzfunktionalität für Digital Signal Processing, ein für IoT-Geräte wichtiges Merkmal. Das Board zeichnet sich einerseits durch seine kompakte Bauweise aus. Andererseits erfolgt jegliche Programmierung über einen USB-Anschluss, wozu nur ein Micro-USB-Kabel sowie ein Rechner mit USB-Anschluss vonnöten ist. Das Teensy eröffnet vielseitige Möglichkeiten für DIY-Projekte, beispielsweise für LED-Anwendungen wie LED-Videowände. Das 3.2-Modell erfreut sich großer Beliebtheit – insbesondere in Kombination mit Arduino-Projekten.

Digispark Mini – der kleine Arduino

Ist ein Arduino Uno zu überdimensioniert und zu teuer für die Realisierung einer kleinen Anwendung, kommt der Digispark Mini zum Einsatz – die Mikrocontroller-Entwicklungsplatine kann zur Programmierung direkt per USB mit dem Rechner verbunden werden. Mit einer ganzen Reihe an Shielden zur Erweiterung seiner Funktionalität und der Fähigkeit, die vertraute Arduino IDE zu nutzen, ist der Digispark Mini perfekt, um in die Elektronik zu springen.

 

Titelbild: reichelt/Hersteller


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2 Antworten zu “Welches Entwicklerboard für welchen Einsatzzweck?”

  1. M. Obeloer sagt:

    Sehr schöne Übersicht für Einsteiger, aber auch Leute im Management von Firmen, die von den Tekkies immer wieder mal mit den Buzzwords zugeworfen werden und meist die Hintergründe nicht genügend kennen.

  2. auch noch interessant: Cubietruck/Cubieboard in seinen 4-5 Varianten, die alle dem RPi bei Leistung und co. überlegen sind, ebenfalls mit SATA und gutem Ethernet kommen und auch schon WLAN/Bluetooth mitbringen.

    Außerdem CuBox, RPi-Zero (abgespeckte Variante des RPi) und viel mehr.

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