Dieses Projekt stammt von unserem Gastautor

Hans

Hans Borngräber, 64 Jahre alt, gelernter Elektromechaniker F, IT-Leiter im Ruhestand. Elektronik ist seit den Jahren meiner Lehre bei der BASF Magnetlabore auch mein Hobby.

Kopfhörerverstärker mit E88CC/ECC88 Röhren  

Kopfhörerverstärker mit E88CC/ECC88 Röhren

Musik hören mit der Technischen-Unterstützung von Röhren ist eigentlich ein alter Hut. Warum macht das heute noch jemand? Ganz einfach: Die Optionen, die es heute auf dem Consumer-Markt an „akustischen Hörhilfen“ gibt, erfüllen leider nicht die Qualitätsansprüche eines Analog-Audio-Fans.

Was Räumlichkeit und Klarheit der Musikwiedergabe anbetrifft ist ein Röhrenverstärker bis heute ungeschlagen. Ein Röhrenverstärker mit einer gut abgestimmten Box ist ein Erlebnis. Plötzlich hört man das die 4.Geige hinten links sich „vergeigt“ hat :-). Bei einem Sandverstärker (Halbleiterverstärker) wäre diese Info im „Klangsumpf“ untergegangen.

Musikgenuss pur mit einem selbstgebauten Kopfhörerverstärker. So kommen Röhren-Fans auf ihre Kosten!

Test des Kopfhörers mit noch ungeteilter Platine

Wie die Idee eines Kopfhörerverstärkers geboren wurde

Nun hatte aber schon Wilhelm Busch gesagt:
„Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden.
Dideldum! „Der Maulwurf“ (1872).

Also was tun, um die Mitbewohner nicht mit Musikwiedergabe zu quälen? Die Lösung ist ein Kopfhörerverstärker. In unserem Falle natürlich mit Röhren. Bei Kopfhörerverstärkern mit Röhren haben sich im Laufe der Jahrzehnte zwei Schaltungskonzepte entwickelt: Einerseits gibt es sogenannte OTL Verstärker, das sind Verstärker ohne Ausgangstransformator. Andererseits hat man Verstärker mit Ausgangstransformator zur Wahl.

Ich habe mich für die Variante mit Ausgangstransformator entschieden. Sie ist elektrisch sicherer und leistungsfähiger als die OTL Version. Um es genau zu sagen: ein Stereo Gegentaktverstärker mit 4 Stück ECC88 Röhren. Dank dreier Platinen ist der Nachbau kein Problem. Aber ein freiverdrahteter Aufbau mit Lötleisten ist ebenfalls möglich.

Das Projekt

Geeignet für: Fortgeschrittene

Zeitaufwand: 2 Stunden für den Aufbau der beiden Verstärkerplatinen, circa 8 Stunden für die Freiverdrahtung auf Lötleisten, 1 Stunde für den Aufbau des Netzteils, 1,5 Stunden für die Verdrahtung, circa 8 Stunden für den Gehäusebau

Budget: ca 90 Euro, zusätzlich ca. 85€ für Audio-Bauteile (ohne Gehäuse)

Das brauchen Sie: alle Teile finden Sie in diesem Warenkorb zusammengefasst, weiterhin benötigen Sie einen Netztrafo, eine Drossel und einen Übertrager und Material für das Gehäuse

Achtung: Man sollte Erfahrungen mit den recht hohen Gleichspannungen haben. Hier ist äußerste Vorsicht geboten! Die Spannungen können Lebensgefährlich sein. Deshalb: Niemals in dem unter Spannung stehenden Aufbau rumhantieren.

Die Schaltung

Schaltbild für den Netzteil-Plan

Jetzt zur eigentlichen Schaltung. Wir beginnen mit dem Netzteil das für beide Stereo-Kanäle ausgelegt ist.

Netzteile für Röhrenverstärker sind eigentlich recht simpel aufgebaut: Trafo, Gleichrichter, Siebung – das war es. Im Falle des Kopfhörerverstärkers ist der Aufwand höher, damit es im Kopfhörer nicht rauscht und brummt.

Der Trafo ist ein handelsüblicher Trafo für Röhrenschaltungen: 200V/70mA für die Anodenspannung und 6,3V/1,5A für die Heizspannung. Für den Gleichrichter wurden 4 schnelle Dioden vom Typ 1N4136 verwendet und jeweils mit einem Kondensator überbrückt.

Die Kondensatoren unterdrücken die Schaltspitzen der Dioden die als Rauschen und Knattern im Kopfhörer zu hören wären. Um dem Brumm den Garaus zu machen, wurde ein sogenannter Parallel-Resonanzfilter mit einer CLC Siebkette aufgebaut. Diese Siebkette hat bei 100Hz ihren höchsten Siebeffekt von ca. 93dB. Einfache Siebketten liegen bei 50-60 dB. Bei der Drossel handelt es sich um eine 16 Henry / 70mA Drossel für Röhrenverstärker.

Sollte eine Drossel mit anderer Induktivität verwendet werden, so sind die parallel geschalteten Kondensatoren anzupassen. Da das Brummen unser größter Feind ist, wurde der Massepunkt des Verstärkers gegenüber der Heizspannung höher gelegt, was zu einer weiteren Brumm-Unterdrückung beiträgt. Das erledigen R1/R2/R3/C13. Für das Netzteil gibt es eine Platine.

Platine mit Netzteil-Bestückung

Netzteil-Layout

Das Netzteil

Der Verstärker

Jetzt zu dem eigentlichen Verstärker. Um größtmögliche Flexibilität beim Gehäusebau zu haben, wurde für jeden Kanal eine eigene Platine verwendet. Diese sind jedoch 100% identisch aufgebaut.

Wichtige Besonderheit: die Röhrenfassungen müssen auf der Lötseite montiert werden, damit sie später sichtbar im Gehäuse montiert werden können. Die verwendete E88CC/ECC88 wurde ursprünglich für Computer entwickelt – als Schaltelement in FlipFlops und wurde Millionenfach in den 1950er in Computern verbaut. Ihre guten Audio-Eigenschaften wurde erst in den 2000er-Jahren entdeckt. Deswegen wird sie heute noch hergestellt.

Plan des Kopfhörer-Verstärkers

Bei der Schaltung handelt es sich um einen Gegentakt-A-Verstärker ohne Rückkopplung. Die Schaltung besteht aus zwei Teilen. Teil 1 der Differenzverstärker bestehend aus V1A und V1B. Wobei V1A/B aus einer Röhre mit zwei Triodensystemen besteht. Der Differenzverstärker liefert zwei um 90° phasengedrehte Signale und steuert im Wechsel den zweiten Teil der Schaltung die Gegentaktendstufe an.

Diese benötigt die beiden Signale, um den Ausgangstransformator anzusteuern. Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass Störungen und Rest-Brummen endgültig getilgt werden. Bei dem Ausgangstransformator handelt es sich um einen Gegentakt-Ausgangstransformator mit einem Primär-Widerstand von 16k Ohm. Es gibt ihn bei auf Röhren spezialisierten Händlern im Internet.

Verstärker-Bestückung

Layout des Verstärkers

Wer sich die Platinen nicht selbst anfertigen kann dem bin ich gerne bei der Beschaffung behilflich. Melden Sie sich gerne in den Kommentaren dazu.

Tipp: Wichtig ist auch, dass eine hochwertige Musikquelle an den Verstärker angeschlossen wird, also zum Beispiel ein Plattenspieler, Tonbandgerät, CD-Spieler. Und selbstverständlich sollte auch der Kopfhörer eine gute Qualität haben, wie zum Beispiel dieses Modell von Sennheiser.

 

2 Antworten zu “Kopfhörerverstärker mit E88CC/ECC88 Röhren”

  1. Patrick Preitner sagt:

    Dieser Beitrag ist einfach super.

    Vielen Dank Herr Borngräber.

    Vor meinem geistigen Auge baue ich den Verstärker bereits.

    Bisher waren mir käufliche Röhrenverstärker einfach viel zu teuer.

    Aber bei 90 Euros, da gibt es für den Audiophilen keine Ausrede mehr sich mit popligen Transistoren zu quälen.

    Wenn man den Schaltplan noch etwas grösser haben könnte, dann wäre ich begeistert.

    Selbst mit einer Lupe kann ich den Plan nicht entschlüsseln.

    Liebe Grüsse

    PS: Ich habe doch noch eine Seite mit dem Schaltplan finden können:

    http://www.jogis-roehrenbude.de/Leserbriefe/Borngraeber-KH-Amp/HBOSE8.htm

Was denken Sie zu diesem Thema? Schreiben Sie einen Kommentar:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.